Premierenfilm

Arada – Verbannt in eine fremde Heimat

CH 2020, 83 min, DCP, O/d-f, ab 6 Jahren
Regie: Jonas Schaffter
Mitw.: Vedat Bicer, Duran Deniz, Mustafa Afşar u.a.

Vedat stammt aus Zuchwil, er kam als Einjähriger mit seinen Eltern aus der Türkei in die Schweiz. Duran wurde in Basel geboren, seine Eltern sind alevitische Kurden, die in den 1980er-Jahren in die Schweiz geflüchtet waren. Mustafa lebte im aargauischen Hunzenschwil, er war in einem anatolischen Dorf nahe der Stadt Denizli zur Welt gekommen. Die drei Männern haben eines gemeinsam: Sie leben heute wieder in der Türkei – zwangsweise. Nach Verbüssung von Haftstrafen wegen Drogen- beziehungsweise Raserdelikten sind sie in ihr Heimatland ausgeschafft worden. «Arada» bedeutet auf Türkisch «dazwischen», der Titel von Jonas Schaffters erstem Kinodokumentarfilm könnte aber auch «weder hier noch dort» heissen. Der 1988 in der Nähe von Basel geborene Regisseur hatte 2015 bereits in «Offside Istanbul», einem Dokumentarfilm über Jugendliche, die in der Bosporus-Metropole von einer Fussballkarriere träumen, seine Affinität zur Türkei bewiesen. Für «Arada» reiste er ab 2015 mehrfach in das Land, um vertiefte Einblicke in den Alltag seiner Protagonisten zu bekommen; zwei von ihnen haben Kinder in der Schweiz. Herausgekommen ist ein vielschichtiges Porträt dreier beeindruckender Männer vor dem Hintergrund des zwar viel diskutierten, aber filmisch wenig aufgegriffenen heissen Eisens «Schweizer Ausschaffungspolitik». Seine Weltpremiere hatte «Arada» im Januar 2020 an den Solothurner Filmtagen im Wettbewerb um den Prix du Soleure und war in dieser Sektion der wohl meist beachtete Beitrag. Marcy Goldberg schreibt in der WOZ: «Immer wieder zeigt der Film Bilder von leuchtender Schönheit wie die Skyline von Istanbul oder die schneebedeckten anatolischen Berge. Doch diese touristisch anmutenden Ansichten untermalen bloss die Einsamkeit in den Stimmen der drei Männer. Und ihre Reue. (...) Irgendwann sagen alle drei das Gleiche: dass sie zu spät gelernt haben, ihr Leben in der Schweiz zu schätzen. Schaffter zeigt aber, dass mehr dabei ist als blosse Nostalgie, indem er auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die zunehmende nationalistische Stimmung in der Türkei thematisiert. Dass die Männer eine Strafe verdient haben, wird von niemandem infrage gestellt – dafür aber ihr Ausmass.»

 

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