Premierenfilm

Die Gentrifizierung bin ich. Beichte eines Finsterlings

CH 2017, 98 min, DCP, O/d
Regie: Thomas Haemmerli
Mitw.: Thomas Haemmerli, Ana Roldán, Lupe Haemmerli, Pablo Haemmerli, Marie Aubert du Petit Thouars, Claudia Banz, José de Jesùs León Hernández, Isabella Blow u.a.

«Beichte eines Finsterlings» lautet der Untertitel dieses collagehaften Essayfilms von Thomas Haemmerli. Der 1964 in Zürich geborene Journalist, Performer, PR-Spezialist und Universitätsdozent ist ein bunter Hund und als Dokumentarfilmer ein blitzgescheiter Provokateur, was er schon in Kurzfilmen wie «Dokumentarfilm – Eine Anleitung», «Der Gotthardtunnel ist schwarz» und vor allem in seinem Langfilmerstling «Sieben Mulden und eine Leiche» (2007) bewies. Ein Jahrzehnt nach seiner so respektlosen wie narzisstischen Dokumentation, in der er schildert, wie er die Wohnung seiner verstorbenen Messie-Mutter räumt, erzählt er in seinem neuen «sackkonkreten Dokfilmessay» (Haemmerli) erneut von sich. Ausgehend vom Begriff «Dichtestress» in der Schweiz, zeigt er, wie Stadtentwicklung anderswo auf der Welt aussieht. Haemmerli lobt die Verdichtung, preist die Hochhausschluchten der 20-Millionenmetropole São Paulo als Lösung für Wohnungsknappheit und reizt auch sonst gern zum Widerspruch in seinem durchaus selbstironischen Film. Seine eigene Entwicklung vom linksextremen Hausbesetzer zum linksliberalen Bürger und gutsituierten Familienvater und Wohnungsbesitzer in Zürich, Paris, São Paulo, Mexico City und Tiflis steht dabei stets im Zentrum. Mit dem Credo «Heimat ist dort, wo mein Laptop ist» outet er sich als digitaler Nomade, der es geschafft hat. Dominik Schmid schreibt auf Filmexplorer.ch: «Von der Wirkung her spielt sich das dann irgendwo zwischen Michael Moore, Chris Marker und Karl Ove Knausgård ab, wobei Haemmerli weder darauf verzichtet, die Geburt seines Sohnes auf der Leinwand zu zeigen, noch sich in gepflogen ironischer Selbstkritik zu üben, wenn er feststellt, genau zu dem geworden zu sein, was er in seiner Hausbesetzer-Jugend noch bekämpft hatte. Dazu kommt ein konsequent ironischer Tonfall, unterstützt durch knallige typografische Einschübe und aggressives Sounddesign, der die teilweise trockene Materie um einiges unterhaltsamer zu vermitteln vermag, als man es bei dem Thema erwarten würde – ohne dabei jemals in Zynismus abzudriften, was bei dieser Form immer eine gewisse Gefahr darstellt. Und wenn ‹Die Gentrifizierung bin ich› aufgrund seiner inhaltlichen und formalen Provokationen gewiss nicht jedermanns Fall sein dürfte, vermag es Haemmerli einmal mehr, frischen Wind in die schweizerische Dokumentarfilmlandschaft zu bringen.»

 

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Do 22.02.18h40
Sa 24.02.16h50
Mo 26.02.18h50
Do 01.03.18h45
Di 06.03.17h45
So 18.03.17h30