Revoir 1968

Krawall

CH 1969, 65 min, Digital, Dialekt-D
Regie: Jürg Hassler

Der 1938 geborene Jürg Hassler war 1967 und 1968 einer der Studierenden der legendären «Filmarbeitskurse» an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich. Hassler, der eine Ausbildung als Fotograf und Bildhauer absolviert hatte, war als Mitglied der kommunistischen Jungen PdA (die mit der traditionellen, moskautreuen Mutterpartei im Clinch lag) bereits stark politisiert und hatte so vielfältige Kontakte in der entstehenden neu-linken Szene. Dies kam ihm zugute, als sich nach einem brutalen – selbst von der NZZ kritisierten – Polizeieinsatz im Anschluss an das Konzert von Jimi Hendrix im Hallenstadion Ende Mai 1968 die Ereignisse in der Limmatstadt zuzuspitzen begannen. Als kurzzeitig das leerstehende Globus-Provisorium auf der Zürcher Bahnhofbrücke besetzt und die Forderung laut wurde, das Gebäude dauerhaft als Autonomes Jugendzentrum zu nutzen, konnte Hassler mit Eduard Winiger, der ihn bei der Kameraarbeit abwechselte, tage- und nächtelang das Geschehen festhalten. «Krawall» beginnt mit zwei Prologen, in denen Lehrlinge und Rocker wortreich ihre Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen äussern. Danach leitet der Film über zur Vorgeschichte der als Globus-Krawall in die Geschichte eingegangenen Auseinandersetzungen vom 29. und 30. Juni 1968, als nach einer Demonstration vor dem Gebäude die – für heutige Verhältnisse folkloristisch ausgerüstete – Polizei brachial gegen die Jugendlichen vorging. Hassler, der für sein Projekt die halbherzige Unterstützung der Kunstgewerbeschule fand und dank ihr auch Zugang zu Pressekonferenzen der Polizei hatte, ist mit «Krawall» ein einzigartiges, radikal einseitiges Zeitdokument geglückt. Der Film war der Renner an den Solothurner Filmtagen von 1970. Dass «Krawall» danach sogar eine Qualitätsprämie des Bundes erhielt, mag illustrieren, dass damals nicht alles so Schwarz-Weiss war, wie der Film suggeriert. «Ein Erstlingswerk, das sich durch eine auffallend sichere Kameraführung und durch das kompromisslose, unverhüllt politische Bekenntnis von vielen Agitationsfilmen unterscheidet. Hassler zeichnet das Bild der schwelenden Unruhe in weiten Kreisen der Zürcher Jugend, die im Juni 1968 in den Globus-Krawallen ihren Höhepunkt gefunden hat. Nach dem Beispiel der Newsreel Group im New American Cinema versucht er, mit geschickt dosierter Agitation den Zuschauer von seinem Standpunkt zu überzeugen.» Lexikon des Internationalen Films

 

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Mo 07.05.19h00
Do 24.05.17h00
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