Premierenfilm

Dene wos guet geit

CH 2017, 71 min, DCP, Dialekt/e
Regie: Cyril Schäublin
Darst.: Sarah Stauffer, Nikolai Bosshardt, Fidel Morf, Belgouidoum Chihanez, Toni Majdaladi, Mohamed Aghrabi, Ralph Rutishauser, Chloé Dudzik u.a.

Der fast fünfzig Jahre alte Song von Mani Matter über die, denen es gut geht – und denen es doch noch viel besser ginge, wenn sie denen etwas abgeben würden, denen es nicht so gut geht, steht als Motto über Cyril Schäublins Erstlingsfilm. Im Zentrum steht eine junge Callcenter-Angestellte, die mit dem Enkeltrick die Ersparnisse alter Frauen ergaunert. Während die Polizei ihr auf die Spur zu kommen scheint, werden die Ordnungshüter von einer Bombendrohung auf Trab gehalten. Der Film, in einem sommerlichen Zürich angesiedelt, das nur aus Verkehrsinseln, geometrischen Parkfragmenten, Schalterhallen und Schnellstrassen besteht, hat es in seiner Hässlichkeit in sich und bietet den idealen Kontrast zum Filmtitel. Cyril Schäublin, 1984 in Zürich geboren, lebte von 2004 bis 2006 in Peking und studierte dort Mandarin und Filmwissenschaft, danach übersiedelte er nach Berlin, um an der renommierten Deutschen Film- und Fernsehakademie DFFB ein Filmstudium zu absolvieren, das er 2012 abschloss. Dieser so polyglotte wie ungewöhnliche Hintergrund des Regisseurs erklärt ein Stück weit seine so geniale wie noch nie gesehene Sicht auf seine Heimatstadt in diesem grossartigen Kinodebüt. Im vergangenen Sommer erlebte es seine Weltpremiere in Locarno in der Sektion «Cineasti del presente» und war einer der heimlichen Hits des Festivals. Sowohl was seine formale Strenge als auch seine inhaltliche Radikalität anbelangt, steht das Werk im neueren Schweizer Film ziemlich beispiellos da. Pascal Blum schreibt im Tages-Anzeiger: «Cyril Schäublins Humor ist wunderbar spröd und einheimisch und sein Gewebe des raffinierten Nonsens deutlich politisch: Vom Verkaufen zum Verbrechen ist es ein kleiner Schritt. (…) Ringsum stehen dann die Professionals von Zürich lustig an Nichtorten. Alle haben Probleme mit ihrem Datenvolumen, zwei Polizisten besprechen Preisunterschiede von Krankenkassen. Kommunikation ist, wenn jemand für dich einen Hotspot macht; Identität ist, wenn man seinen ungefähren Kontostand noch weiss; Interaktion ist eine freundliche Strassenkontrolle und die Gesellschaft ein Netzanbieter (…). Es gibt noch Lieder und Filme, aber an deren Titel kann sich niemand mehr erinnern. Aber dafür kennen wir jetzt den 14-stelligen Wi-Fi-Code. Diese Bildung des hohen Unsinns war etwas vom Gescheitesten, was man in Locarno gesehen hat.»

 

Premiere am 12. Januar in Anwesenheit des Regisseurs Cyril Schäublin und des Kameramanns Silvan Hillmann. Das Gespräch führt die Saiten-Redaktorin Corinne Riedener.

 

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Fr 12.01.19h00
Sa 13.01.17h45
Di 16.01.20h30
Fr 19.01.21h15
Mo 22.01.19h00
Di 30.01.17h00
Trailer