Wanderer zwischen den Welten: Wim Wenders

Der Stand der Dinge

NL/UK/BRD/FR/ES/PT/US 1982, 121 min, DCP, O/d, ab 12 Jahren
Regie: Wim Wenders
Darst.: Patrick Bauchau, Samuel Fuller, Isabelle Weingarten, Rebecca Pauly, Allen Garfield, Viva, Alexandra Auder, Robert Kramer, John Paul Getty III., Roger Corman u.a.

Während der Dreharbeiten zum Science-Fiction-Film «The Survivors» gehen dem kleinen Team um Regisseur Friedrich Munro das Geld und das Filmmaterial aus. Der Produzent verschwindet spurlos; die Crew bleibt in einem heruntergekommenen Hotel an der Küste Portugals zurück und versinkt in Apathie und Resignation. Die Idee zu dieser Ausgangslage in «Der Stand der Dinge» kam Wim Wenders, als er selbst in einem zermürbenden Leerlauf steckte. Die Dreharbeiten zu «Hammett», seinem ersten amerikanischen Film, waren seit Monaten unterbrochen, eine geplante Verfilmung des Max-Frisch-Romans «Stiller» scheiterte. Als er hörte, dass die Dreharbeiten des Chilenen Raoul Ruiz in Portugal vorzeitig zu enden drohten, weil dem Regisseur das Filmmaterial ausging, reiste Wenders mit eigenen Filmrollen an und entdeckte das imposante, leerstehende Hotel. Er überzeugte die Crew, nach Abschluss der Dreharbeiten mit Ruiz dort einen weiteren Film mit ihm zu drehen. Zwei Wochen später begannen die Dreharbeiten; das Skript schrieb Wenders zusammen mit Robert Kramer spontan von Tag zu Tag. So wie «Otto e mezzo» für Fellini oder «Le Mépris» für Godard ist «Der Stand der Dinge» Wenders‘ persönlicher Essay über das Filmemachen. Der Film sei in einer Situation des Stillstands und aus einer Art Depression heraus entstanden, so Wenders, und handle davon, dass das Geschichtenerzählen im Kino nicht mehr möglich sei. Doch am Ende hat sich dieses Werk, das 1982 am Filmfestival Venedig mit dem «Goldenen Löwen» ausgezeichnet wurde, als Befreiungsschlag erwiesen, weil Wenders die Freiheit wiederfand, «zu drehen, worauf man Lust hat». Prägend für die imaginative Kraft, die von der melancholischen Reflexion über das Filmemachen zwischen Kunst und Kommerz ausgeht, sind die bestechenden Schwarz-Weiss-Aufnahmen des französischen Kamerameisters Henri Alekan, mit dem Wenders auch «Der Himmel über Berlin» realisierte. Legendär ist die letzte Sequenz des Films, in der Regisseur Munro mit dem aufgespürten Produzenten im Wohnmobil eine Nacht lang durch Los Angeles fährt.

 

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So 05.07.17h40
Di 14.07.17h00
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