Wanderer zwischen den Welten: Wim Wenders

Alice in den Städten

BRD 1974, 112 min, DCP, D, ab 6 Jahren
Regie: Wim Wenders
Darst.: Rüdiger Vogler, Yella Rottländer, Lisa Kreuzer, Edda Köchl, Ernest Boehm, Sam Presti, Lois Moran, Didi Petrikat, Hans Hirschmüller, Sibylle Baier u.a.

Der Journalist Philip Winter steckt in einer Lebens- und Schaffenskrise: Wochenlang ist er quer durch die USA gefahren, um eine Reportage über die amerikanischen Landschaften zu schreiben. Doch ausser eine Serie von Polaroids hat er nichts zustande gebracht und tritt frustriert die Heimreise nach Deutschland an. Am New Yorker Flughafen erfährt er, dass alle Direktflüge gestrichen sind, und trifft auf Lisa und ihre kleine Tochter Alice. Nach einer gemeinsamen Nacht im Hotel ist die junge Frau am Morgen verschwunden. Zurückgelassen hat sie Alice und eine Notiz mit der Bitte, das Mädchen nach Amsterdam mitzunehmen, wohin sie in den nächsten Tagen nachkommen werde. Dort allerdings warten Philip und Alice vergeblich. Und so machen sie sich auf den Weg, um irgendwo eine Grossmutter zu suchen, an die Alice sich vage erinnert, deren Namen sie zwar nicht kennt, die aber vermutlich in Wuppertal wohnt. Auf der gemeinsamen Irrfahrt durch das Ruhrgebiet entwickelt sich zwischen dem unfreiwilligen Reiseduo allmählich und ohne viele Worte eine stille, herzliche Zuneigung. «Mit ‹Alice in den Städten› habe ich meine eigene Handschrift gefunden», sagt Wim Wenders über seinen vierten Spielfilm, der der erste Teil seiner Roadmovie-Trilogie werden sollte. Einige seiner zentralen Ideen und Motive, die sein späteres Werk prägen, deuten sich hier schon an: der Blick für die Poesie des Alltags, für atmosphärische Momentaufnahmen von Städten und Landschaften, die Sehnsucht nach einem imaginären Amerika, die Reflexion über die menschliche Wahrnehmung und die Suchbewegungen und Reisen zu sich selbst. Siegfried Schober schrieb 1974 in Der Spiegel: «Es ist eine abenteuerliche Welt, die Wim Wenders beschwört. Abenteuerlich in dem Sinn, dass Menschlichkeit, Zuneigung und Vertrauen in unserer Welt die wahren Abenteuer sind. ‹Alice in den Städten› ist ein wunderbar genauer Abenteuerfilm von heute, der, wie jeder gute Abenteuerfilm, unsere Blicke ungezwungen mit Regungen, Gesten, Örtlichkeiten, Nöten, Gesichtern, Möglichkeiten und Menschen klar und sinnlich vertraut macht. Solche Filme sind selten geworden. Filme, über die man schreiben kann, was 1921 über Chaplins ‹The Kid› geschrieben wurde: ‹Eine grosse Story mit einem neuen und zärtlichen Touch, einfach und bewegend.›»

 

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So 12.07.17h45
Do 30.07.19h30
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