I’ll Be Your Mirror

CH 2019, 91 min, DCP, Dialekt/d, ab 12 Jahren
Regie: Johanna Faust
Mitw.: Margaret Miinch, Johanna Faust, Mayka Marchesi, Jeremias Holliger, Linus Faust, Gian-Andrin Faust, Benedict Hiebel, Anne Bell, Gloria Marchesi u.a.

Die Basler Künstlerin Johanna Faust (*1973) plant, ihre drei Kinder und ihren Mann für längere Zeit zu verlassen, um sich ganz ihrer Kunst zu widmen. Sie hat kürzlich eine verlockende Einladung für ein Kunststudium in Oxford erhalten. Doch dann erinnert sie sich, was ihr einst ihre Mutter über ihre eigene Kindheit erzählt hat. Bei ihren Recherchen stösst sie nicht nur auf die Geschichten ihrer Mutter, ihrer Grossmutter und deren Mutter in den USA, sondern erkennt auch, dass sich in diesen Biografien ihre eigene Geschichte spiegelt. So findet sie schliesslich zu einer Entscheidung über ihr eigenes zukünftiges Leben. Finanziert vom Basler Produzenten und Regisseur Frank Matter, der Filme wie «Who’s afraid of Alice Miller?» oder «Thomas Hirschhorn – Gramsci Monument» produzierte, ist «I’ll Be Your Mirror» eine radikal ehrliche Spurensuche in der Form eines Roadmovies in erster Person, musikalisch veredelt unter anderem durch Fred Frith. Johanna Faust sagt über ihren Film, der am letztjährigen Zurich Film Festival seine viel beachtete Weltpremiere feierte: «In den Gesprächen mit meiner Mutter fand ich schnell heraus, dass meine Grossmutter wie ich Künstlerin war und die Kunst ihren Kindern vorgezogen hatte. Die Folgen waren für meine Mutter sehr schlimm; sie haben ihr Leben geprägt. Ich erkannte, dass mein Verhalten offenbar einem familiären Muster folgte. Nun hielt ich inne und befragte mich selbst. (…) Ich hatte so viele Fragen, wollte mehr erfahren. (…) Wird es uns gesellschaftlich gelingen, die Idee zu überwinden, dass sich Frauen besser um Kinder kümmern können als Männer? Was braucht es, damit sich das Selbstverständnis der Väter verändert? Meines Erachtens geht es nicht darum, die Rollen auszutauschen – auch wenn genau das ein sehr hilfreiches Mittel sein kann – sondern darum, geschlechtsbezogene Rollenbilder radikal zu überdenken. Wie mein Film anhand meiner eigenen Familie zeigt, werden positive Erfahrungen, aber auch Traumata transgenerational weitergegeben. Dieser Aspekt spielt unterbewusst häufig eine Rolle, wenn es um die Rollenaufteilung geht. Aufzuzeigen, wie diese unterschiedlichen Aspekte verwoben sind, war mir bei der Arbeit an meinem Film ein wichtiges Anliegen.»