Stephen Frears – Meister aller Disziplinen

Philomena

UK/US/FR 2013, 98 min, DCP, E/d, ab 12 Jahren
Regie: Stephen Frears
Darst.: Judi Dench, Steve Coogan, Sophie Kennedy Clark, Anna Maxwell Martin, Ruth McCabe, Mare Winningham, Barbara Jefford, Peter Hermann, Sean Mahon u.a.

Die pensionierte Krankenschwester Philomena Lee hat über 50 Jahre lang vergeblich nach ihrem unehelichen Sohn gesucht. Im damals streng katholischen Irland wurde sie wie viele andere unverheiratete Mütter zur Geburt in ein Magdalenenheim geschickt, dort zur Arbeit zwangsverpflichtet und gezwungen, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Nun erhält sie Hilfe vom einst renommierten Auslandskorrespondenten und Politberater Martin Sixsmith. Dieser ist mittlerweile arbeitslos und ein arroganter Zyniker. Philomenas Geschichte interessiert ihn lediglich wegen des lukrativen Auftrags; für die bescheidene und gutgläubige alte Frau hat er nur Spott übrig. Gemeinsam besuchen sie das Kloster in Irland, in dem Philomena als Teenager vier Jahre lang eingesperrt war. Doch die Nonnen verweigern jede Auskunft und behaupten, alle Dokumente aus jener Zeit seien bei einem Brand verloren gegangen. Als der Journalist erfährt, dass das Kloster Babys an Paare in den USA verkaufte, reist das ungleiche Duo nach Washington. Stephen Frears’ ergreifende Tragikomödie beruht auf dem 2009 erschienenen Buch «The Lost Child of Philomena Lee» des Journalisten Martin Sixsmith, der im Film von Steve Coogan verkörpert wird. Der Schauspieler ist Co-Produzent des Dramas und hat zusammen mit Jeff Pope das Drehbuch geschrieben, das unter anderem mit dem britischen Filmpreis BAFTA ausgezeichnet wurde. Die Geschichte entfaltet sich entlang der beiden sich abwechselnden Erzählebenen, den Recherchen der Gegenwart und den Rückblenden, in denen sich Philomena an ihre qualvolle Jugend erinnert. Stephen Frears’ Inszenierung balanciert die unterschiedlichen Gefühls- und Stimmungslagen geschickt aus: Der lockere Ton des Roadmovies und die lakonischen Dialoge zwischen Steve Coogan und Judi Dench stehen der zornigen Entlarvung eines rigiden System gegenüber, das Frauen bestrafte, die ungewollt schwanger wurden. Die deutsche Film- und Medienbewertung schreibt: «Den Kern der intimen, kleinen Geschichte bildet ein grosser Skandal. Hier wird auch davon erzählt, wie mittelalterlich die katholische Kirche noch vor wenigen Jahrzehnten in Irland mit wehrlosen jungen Frauen umgegangen ist und wie viel Kaltherzigkeit auch heute noch den Opfern entgegenschlägt. Da wird nichts beschönigt, und auch wenn Philomena am Ende die menschliche Grösse hat zu verzeihen, ist dies ein Film, der zornig macht.»

 

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