Suburra

IT/FR 2015, 130 min, DCP, O/d
Regie: Stefano Sollima
Darst.: Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Jean-Hugues Anglade, Elio Germano, Giulia Gorietti, Alessandro Borghi, Claudia Amendola, Lidia Vitale u.a.

Rom ist zu einem wahren Sündenbabel geworden. Suburra, im alten Rom das Quartier, in dem sich Macht und Verbrechen heimlich trafen, existiert noch heute und ist lebendiger denn je, denn die Stadt ist wie keine andere ein Ballungszentrum der politischen und kirchlichen Macht und des Verbrechens. Die Politik ist durchzogen von korrupten Leuten, denen es nur darum geht, möglichst viel Geld zu scheffeln. Die Folge ist ein drastischer Zerfall der sozialen Strukturen. Wer hier überleben möchte, muss einen teuflischen Pakt mit den Herrschern der Unterwelt eingehen, den eigentlichen Machthabern in Rom. Die graue Eminenz und der meistgefürchtete unter den Mafia-Paten nennt sich «Samurai». Er ist der Drahtzieher hinter einem ambitiösen Immobilienprojekt, das ein gigantisches Las Vegas an der Küste bei Ostia verwirklichen will. Der korrupte Politiker Filippo Malgradi soll bei der Realisierung helfen und eine Mehrheit im Parlament für das Projekt gewinnen, indem er geneigten Amtskollegen Schmiergelder und höchstbezahlte Stellenangebote unter der Hand in Aussicht stellt. Dazu ist Malgradi in einen Sexskandal mit einer Minderjährigen verwickelt; versuchte Erpressung und Mord sind die Folgen. Ein gnadenloser Bandenkampf, in den auch ein Zigeunerclan involviert ist, eskaliert. Regisseur Stefano Sollima machte sich einen Namen mit den erfolgreichen TV-Serien «Gomorra» und «Romanzo Criminale». Mit «Suburra» legt er nun einen atmosphärischen, italienischen Neo Noir nach dem gleichnamigen Kriminalroman des Autorenduos Carlo Bonini and Giancarlo De Cataldo vor. Wie der Roman erfasst der Film die Endzeitstimmung im Herbst 2011, das Schwarze Loch des Berlusconismus und seines monströsen Bauprojekts «Waterfront», das keine Phantasie der Krimiautoren ist, sondern eine Ausgeburt der Politik und des Geschmacks der Berlusconi-Ära. Erst als der damalige, unverhüllt neofaschistische Römer Bürgermeister abgewählt wurde, kam das Projekt für das ungeheuerliche Imitat, halb Dubai, halb Las Vegas, in die Schublade. Fiktion bringt die Realität manchmal ganz schön auf den Punkt.